#Yekat

Jekaterinburg ist die viertgrößte Stadt in Russland, etwas mehr als 1,3 Millionen Menschen leben hier, sie liegt kurz hinterm Ural (von Westen kommend) und, das Wichtigste: In Jekaterinburg gibt es ein Denkmal für die Küchenreibe.

Der eigentliche Grund, warum wir auf unserer Transsib-Fahrt in Jekaterinburg Halt machen, ist, dass Anne das Haus anschauen wollte, wo die Zarenfamilie 1918 ermordet wurde. Mein Grund ist die Küchenreibe. Und das Denkmal der Computertastatur. Beide sind auf der Liste der fünf skurrilsten Denkmäler Russlands von Russia Beyond The Headlines.

Immer, wenn wir im Zug über Jekaterinburg sprechen, formt Anne mit ihren Fingern eine Raute und sagt „Jekat“. Irgendwann verstehe ich, dass das ein Hashtag sein soll. Anne besteht auf #Jekat, ich bin für #Yekat. Das Internet wird mir recht geben. Sorry, Anne.

In #Yekat auf jeden Fall sind wir 25 Stunden lang. Die ersten zwölf verbringen wir im Hotel direkt am Bahnhof, für läppische zwölf Euro die Nacht inklusive Frühstücksbuffet. Mit einer Matratze, so weich, das wir fast Rückenschmerzen bekommen nach den harten Pritschen im Zug und im Wohnheim. Und mit Internet, dass so gut und so schnell funktioniert, dass wir erstmal ’ne Weile darin abhängen müssen.

Es ist superkalt in #Yekat, -25°C, das sind wir nicht gewohnt aus Irkutsk. Nachts kurz mal eben ohne Jacke ins Nebengebäude gehen, um dort was zu essen, geht grade noch so. Zehn Minuten beim Fast-Food-Drive-In zu warten ist dann aber schon keine gute Idee mehr. Ein echter Sibirier ist eben jemand, der sich richtig anzieht. Das sollten wir uns endlich mal merken.

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Aber sonst ist #Yekat gut zu uns. Schenkt uns Sonnenschein trotz eisiger Temperaturen und eine superliebe Museumsfrau, die uns alles rund um die Zarenfamilie sehr ausführlich und sehr langsam erklärt, damit die Touristinnen aus Deutschland das auch verstehen. Außerdem mit im Programm: Die Geschichte der Freundin der Museumsdame, die vor zehn Jahren nach Deutschland ausgewandert ist, weil ihre Eltern Wolgadeutsche waren.

Wir wandern durch das eisige #Yekat und machen eine einstündige Pause im Buchladen, weil es so kalt ist, so so kalt. Als wir endlich am Hauptplatz ankommen (der seltsamerweise gar nicht Leninplatz heißt, obwohl dort eine Leninstatue steht), dämmert es schon. Und wir können gar nicht die schöne Eisstadt bestaunen, die dort aufgebaut wird: alles blickdicht abgesichert und streng geheim. Die pompöse Eröffnung der Eisstadt mit hübschen Eisfigürchen ist erst am 31. Dezember.

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Na toll. Dann also auf zur Küchenreibe. Die ist kleiner als gedacht, aber trotzdem lustig. Wir wollen auch noch zur Computertastatur, aber Anne ahnt schon: Die wird wohl unter den Schneemassen vergraben sein. Ist sie. Und wir sind inzwischen zu Eisklötzen gefroren. Also schnell ins nächstbeste Café, zum Auftauen. Schön hier, warm hier. Nur leider kaum vegetarische Gerichte auf der Karte. Können wir die Pizza auch ohne Fleisch haben? Könnt ihr. Aber soll ich euch vielleicht lieber unsre vegetarische Karte bringen?

Die vegetarische Karte ist lustig. Da sind nichtmal alle fleischlosen Gerichte der normalen Karte drauf. Dafür extra: Spaghetti mit Tomatensoße, Pizza Margherita und vegetarisches Sushi. Wir nehmen das Sushi. Das Sushi kommt. Im Sushi ist Fisch. Immerhin kein roher Fisch, aber Fisch. Russland liebt seine Vegetarier. Aber, wir wollen auch die guten Dinge erwähnen: Auf der Pizza, die wir ohne Fleisch bestellt haben, ist auch tatsächlich kein Fleisch. Und der Tee mit Thymian schmeckt richtig lecker.

Eigentlich wollten wir noch zum Mafia-Friedhof mit lebensgroßen Portraits von russischen Mafia-Bossen fahren, aber der ist am Wochenende geschlossen. Gut, dass wir das nochmal nachgeschaut haben. Dann gehen wir eben ins supermoderne Jelzin-Museum. Ein bisschen russische Geschichte schadet schließlich auch nicht.

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Wir fahren mit der einzigen Metrolinie der Stadt zurück zum Bahnhof, holen im Hotel unser Gepäck und kaufen noch schnell ein paar Magneten. Wer nämlich keinen Magneten hat, ist auch nicht dagewesen. Die Transsib wartet schon auf uns. Tschüss, #Yekat, war schön bei dir, wenn auch etwas kurz. Wir kommen zurück, versprochen – der Mafiafriedhof ist einfach zu vielversprechend. Und die Computertastatur!

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