Fleischeslust

„In Sibirien muss man im Winter viel Fleisch essen“, erklärte uns kürzlich eine unserer russischen Wohnheimmitbewohnerinnen, während sie ihr Würstchengulasch umrührte. „Hier ist es ja auch viel kälter als bei euch.“ Diese Erklärung hören wir nicht zum ersten Mal. „Wenn ich Fleisch gegessen habe, ist mir draußen nicht mehr kalt“, ließ uns eine andere Studentin wissen. ‚Was für ein Wundermittel!‘ denken wir uns, wollen unsere Essgewohnheiten dann aber doch nicht komplett umstellen und kochen daher weiter größtenteils vegetarisch – zum großen Erstaunen der russischen Studenten, die uns dabei immer mal wieder mit einer Mischung aus Skepsis und Neugier über die Schultern schauen. „Oh, das riecht aber gut! Was ist das?“ „Linsen“, erklären wir. Ah, Linsen! Das kennen sie, aber sie haben es noch nie selbst zubereitet. Während bei uns fast täglich Gemüse und Hülsenfrüchte auf den Tisch kommen, lieben unsere russischen Mitbewohner neben Nudeln, Buchweizen, Kartoffeln und Ei ganz besonders ihr Fleisch, das sie in der Regel frisch kaufen und verarbeiten. Konkret bedeutet das, dass sich der Küchentisch beim Kochen in eine kleine Schlachtbank verwandelt, wo ganze Fische ausgenommen und blutige Fleischbrocken zerlegt werden. Anfangs war das für uns ein eher ungewohnter Anblick, doch mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt und wünschen unseren russischen Mitbewohnern einfach einen guten Appetit.

Trotz der fleischarmen Ernährung sind wir übrigens alle gesund und munter geblieben und mit warmen Sachen ließ sich auch die sibirische Kälte gut ertragen.

Und die Kuhfüße vom Foto gibt es auf dem Markt bei uns um die Ecke. In unserer Küche haben wir sie zum Glück noch nie gesehen.

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Annemarie Pappe und Nicola studieren seit Herbst 2013 IRS in Potsdam. Das Wintersemester 2016/2017 verbringen sie mit sechs anderen PotsdamerInnen an der Staatlichen Baikal-Universität in Irkutsk. Die letzten drei Monate bildeten sie eines der Koch-Teams der oberen Etage, die abwechselnd gekocht haben – und haben es überwiegend bei vegetarischer Kost belassen.

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