Turn The Lights Off

Als Elena und ich uns neulich nach dem Theater noch eine Pizza in der Nähe unseres Wohnheims holen wollten, mussten wir leider feststellten, dass in der Pizzeria schon alles dunkel war. Auch im Subway, das eigentlich sieben Tage die Woche 24 Stunden geöffnet hat, gab es kein Licht. „Komisch“, dachte ich. „Ist heute vielleicht irgendein Feiertag und alles hat geschlossen?“ Doch dann merkte Elena, dass es auch in den umliegenden Häusern dunkel war und uns wurde klar, dass das wohl wieder mal ein Stromausfall sein musste.

In unserer Zeit in Irkutsk ist das schon einige Male passiert – vorzugsweise abends, manchmal aber auch mitten am Tag. Der Strom fällt dann für unbestimmte Zeit im gesamten Wohnheimsgebäude und den umliegenden Häusern aus und springt irgendwann einfach wieder an. Woran das liegt, kann uns keiner sagen.

Die russischen Studenten in unserem Wohnheim haben sich daran jedenfalls schon gewöhnt. So hat fast jeder eine Taschenlampe und ein paar Kerzen bei sich im Zimmer, die rausgeholt werden, wenn es mal wieder dunkel wird. An besagtem Tag blieb der Strom für über zwei Stunden weg und so war es auch dann noch dunkel, als Elena und ich nach einem schnellen Abendessen ein paar Häuserblocks weiter (wo es Strom gab) zum Wohnheim zurückkehrten.

Während einige unserer deutschen Kommilitonen sich gemütlich bei Kerzenschein in einem Zimmer zusammengesetzt hatten, gesellten Elena, Nicola und ich uns zu den russischen Studenten, die sich mit Kerzen, ein paar Stühlen und einer Gitarre im Wohnheimsflur versammelt hatten und nun sangen was die Stimme hergab – so laut, dass der Nachtwächter mehrmals kommen und brüllend um Ruhe bitten musste. Ohne Erfolg. Wir alle hatten an diesem Abend sehr viel Spaß und obwohl sich niemand von uns den Stromausfall gewünscht hat, hat er doch etwas Positives bewirkt: Er hat uns zu einer Gemeinschaft werden lassen. Für mich war es einer der schönsten Abende in Irkutsk.

 

(Andere Austauschstudenten singen nicht so gerne in großer Runde, sondern haben lieber Spaß mit Grusel-Snegurotschka, die im Kerzenschein noch gruseliger aussieht.)

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Annemarie Pappe studiert seit Herbst 2013 IRS in Potsdam. Das Wintersemester 2016/2017 verbringt sie mit sieben anderen PotsdamerInnen an der Staatlichen Baikal-Universität in Irkutsk. An Gitarrenabende im Kerzenlicht könnte sie sich auch in Deutschland gewöhnen.

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