Keine lebende Kulisse

„Unser Wettbewerb nimmt hiermit wahrhaft internationale Größe an. Heute treten nämlich nicht nur Studenten aus der Mongolei, China und Russland auf, sondern auch aus Deutschland. Begrüßen Sie mit mir: Elena Reck!“
Doch wie kam es dazu, dass ich an einem mongolisch-chinesisch-russischem Karaokewettbewerb teilnahm?
An der Staatlichen Baikaluniversität gibt es viele Studenten aus China. Weil China so nah ist und die russisch-chinesische Freundschaft gestärkt werden soll. Daher gibt es eine russisch-chinesische Fakultät, die vor allem Sprachkurse anbietet.
„Sprache wird viel interessanter, wenn man sie anwendet und dabei Erfolgserlebnisse hat“, findet die Dekanin der Fakultät und so gibt es seit vier Jahren den alljährlichen Karaoke-Battle (sprich: Karaoke-Battl) der russisch-chinesischen Fakultät, bei dem russische Studenten auf Chinesisch und chinesische und mongolische Studenten auf Russisch singen.
Wir deutschen Austauschstudenten haben an der russisch-chinesischen Fakulät Russischunterricht. Da ich dort mal aufgrund eines Konzertes gefehlt hatte, wusste unsere Lehrerin von meiner Sangesfreude und schlug mir vor, doch beim Karaokebattle mitzumachen. Klar hatte ich darauf Lust. Aber der Weg dahin war dann doch nicht ganz so leicht.
Zuerst musste ich ein Casting durchlaufen, wie alle anderen Teilnehmer: Damit sich die Fakultät nicht vor der Jury, zu der der chinesische und der mogolische Botschafter zählen, blamierte. Beim Casting, das die Dekanin entschied, kam ich mir vor wie bei DSDS oder The-Voice: Alle waren aufgeregt und manche kamen sehr freudig, andere niedergeschlagen aus dem Büro der Dekanin.
Die Deutsche darf auftreten, entschied die Casting-Jury. Denn: „Beim Singen hast du ja noch weniger Akzent als beim Sprechen!“
Mein Lied war ein kitschiger russischer Pop-Song, den meine Chorleiterin für mich ausgesucht hatte. Die Dekanin meinte aber, dass ich nicht alleine auf der Bühne stehen könne. „Mit der weißen Wand im Hintergrund sieht das doch nichts gleich. Du brauchst eine Präsentation oder einen Film im Hintergrund!“ Doch dann hatte der Lehrer, der auch in der Casting-Jury saß, eine noch viel bessere Idee: „Wir stellen dir einfach einen jungen Mann mit auf die Bühne, der kann dann um dich rumtanzen und du singst für ihn, schließlich ist das Lied ja von einer Verliebten für ihren Angebeteten!“ Aber die Dekanin ist nicht begeistert: „Eine lebende Kulisse… Ich weiß nicht, irgendwie ist das komisch.“ Ob ich denn einen Freund habe, will sie wissen, und zufällig auch noch Fotos mit ihm zusammen? „Dann erstell doch eine Power-Point-Präsentation mit Bildern von euch – dann kann er dich von hinten unterstützen, wenn er auf dich herabblickt.“ Hmmm… Keine so tolle Idee. Aber ich mache gute Mine zum kitschigen Spiel, erbitte mir ein wenig Bedenkzeit und entscheide mich für eine Präsentation mit kitschigen Scherenschnitten.

Wie das Karaoke-Battle war, lest ihr morgen.

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Elena Reck studiert seit Herbst 2013 IRS in Potsdam. Das Wintersemester 2016/2017 verbringt sie an der Staatlichen Baikal-Universität in Irkutsk. Bei einem Karaoke-Battle ist sie zum ersten Mal aufgetreten – und jetzt ist sie Fan!

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2 Gedanken zu “Keine lebende Kulisse

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