Tierkostüme und Hufgetrappel

In Irkutsk ist es kalt. So kalt, dass die Wimpern von der Atemluft weiß werden und die Schleimhäute in der Nase zufrieren. Dafür muss man gewappnet sein, am besten mit warmer Kleidung. Und während wir in Deutschland noch diskutieren, ob man wohl Falschpelz ohne schlechtes Gewissen tragen kann, oder ob man damit auch die Pelzindustrie, die böse, unterstützt, wird er hier einfach getragen der Pelz.

Sobald die Temperaturen längerfristig unter -5°C sanken, wurden die Pelzmäntel aus den Schränken geholt. Aus den Schränken, weil man vielen der teuren Stücke, die man sich nicht in jeder Saison neu kauft, ihr Alter ansieht. Gepflegt sind sie alle, aber in Irkutsk auf der Straße hat man manchmal das Gefühl, eine Modezeitreise zu machen, bis hin in die wilden achtziger Jahre.

Meines Erachtens sehen die Pelze trotzdem alle irgendwie wie Tierkostüme aus. Dieser Eindruck wird unterstützt durch die Stiefel die man hier in Sibirien trägt. „Unty“ heißen sie und sind sowohl Innen als auch Außen aus Fell. So hat man manchmal den Eindruck von Hufgetrappel, wenn man den Blick konsequent auf die Straße gerichtet hält, um nicht auszurutschen. Schaut man jedoch weiter nach oben, ist man oft überrascht vom Stilbewusstsein der russischen Männer. Man kann hier wohl alles mit Adidasjogginghose kombinieren.

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Elena Reck studiert seit Herbst 2013 IRS in Potsdam. Das Wintersemester 2016/2017 verbringt sie an der Staatlichen Baikal-Universität in Irkutsk.

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