Wenn einer eine Reise tut…

Wenn einer eine Reise tut, dann braucht er ein Visum. Zumindest, wenn es aus Europa nach Russland gehen soll. Hatte auch alles geklappt, mit unseren Visa für Irkutsk, erstaunlich unkompliziert. Einziges Problem: Mit dem Visum konnten wir nur einmal einreisen. Nach der ersten Ausreise wird es also ungültig.

Plan war, dass das Visum dann in Irkutsk verlängert wird und wir eins mit Vielfacheinreise bekommen, damit wir „jedes Wochenende hin- und herfliegen könnt, von mir aus“, wie die zuständige Dame der Uni das ausdrückte. So weit, so gut. Wir haben pünktlich unsre Gebühr für die Verlängerung bezahlt, alle Dokumente ausgefüllt und den Pass abgegeben.

Aber dann musste ich recht spontan und kurzfristig nach Deutschland. Und da begannen die lustigen Bürokratiegeschichten, die wir hier so lieben.

„Das geht nicht, Sie können nicht ausreisen. Also Sie können schon ausreisen, aber Sie kommen dann nicht mehr rein. Das geht nicht“, war der Visumsfrau einziger Kommentar zu meinem Anliegen. „Ich muss aber“, sagte ich. „Das geht aber nicht.“ Schweigen. „Ich muss aber ausreisen.“ „Das geht nicht. Auf der Visumsstelle können sie das Visum nicht schneller verlängern. Es gibt kein Eilverfahren, die 40 Tage, die angegeben sind, brauchen die auch. Immer.“

Ratterratterratter in meinem Kopf. Natürlich hatte ich damit gerechnet.

Alternative 1: Meine alte FSJ-Stelle um eine Einladung bitten, hoffen, dass in Deutschland alles schnell genug geht und mit einem neuen Visum einreisen. „Aber das ist ja dann kein Studienvisum. Und dann hab ich hier Probleme mit der Anmeldung. Ich weiß nicht, ich weiß nicht.“

Alternative 2: In Deutschland für viel viel Geld ein Eiltouristenvisum beantragen, das einen Monat lang gültig ist, und damit einreisen. „Ja, hm, mit einem Touristenvisum, ja, vielleicht. Aber… Nee, das ist auch nicht gut. Hm.“

Irgendwann hatte Sie verstanden, dass ich auf jeden Fall ausreisen würde und das nicht nur eine lustige Laune war. Und plötzlich ging‘s doch irgendwie. Die Visumsdame der Uni hat bei der Visumsdame vom Amt angerufen, gefragt, ob mein Visum etwas schneller bearbeitet werden und eine Woche fertig sein könne. Die Dame vom Amt hat gesagt, sie schaue, was sich machen ließe. „Aber ich gebe Ihnen keine Garantie. Kommen Sie morgen nochmal.“

Am nächsten Tag war dann klar, dass alles klappen würde. Mit einem Blick, der an Genervtheit nicht zu überbieten war, meinte die Univisumsfrau beim Rausgehen zu mir: „Ich hoffe, das ist dann das letzte Problem in Ihrem Leben.“ Eine Anspielung darauf, dass ich Anfang des Semesters den Fauxpas begangen hatte, meinen Pass zu verlieren? „Ich hoffe auch. Ich hoffe das wirklich auch!“

War es nicht. Am Freitag sollte ich mein Visum abholen, am Dienstag hielt ich es für eine gute Idee, nachzufragen, ob alles klappen würde. Es war eine sehr gute Idee. Denn: „Am Freitag ist Universitätsgeburtstag, da haben wir alle frei. Da arbeitet hier niemand. Da können Sie Ihr Visum nicht abholen.“ Wieder das beliebte Schweigen. „Können Sie es nicht am Montag abholen?“ „Kann ich nicht, ich flieg am Samstag.“ Ein Seufzer, der das Leid der ganzen Welt in sich trug. „Okay, ich schau mal, dass ich es am Donnerstag schon da habe.“

War dann sogar am Mittwoch schon da. Und ich konnte aus- und sogar wieder einreisen.

Wir lernen also: Es geht meistens doch. Zwar mit viel Seufzen und Stöhnen, aber es geht.

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