Der FSB, unser Nachbar

Es war ein enormer Aufwand, mit vorgetäuschter Heirat und sonstigen Halblegalitäten durchzusetzen, dass unsere Kommilitonen weiblichen und männlichen Geschlechts zusammenwohnen dürfen.

Als wir unsere Zimmer bezogen haben, stellen wir allerdings schnell fest, dass in VIP Zimmer neben uns ein Pärchen wohnt und sie erzählen uns ganz offen, dass sie nicht verheiratet sind. „Man muss sich einfach ordentlich absprechen, dann geht das schon“, erzählt uns der junge Mann.

Mit vielen anderen Leuten aus dem Wohnheim treffen wir uns in der Küche, quatschen, haben Spaß, lernen sie näher kennen. Unsere Nachbarn grüßen wir und sie grüßen zurück, aber darüber hinaus findet kein Kontakt statt.

Nach einiger Zeit hören wir erste Gerüchte, die Privilegien unserer Nachbarn kämen daher, dass diese „FSBschniki“ seien. Der FSB ist der russische Geheimdienst, der in den 90-ern den KGB ablöste.

Ist es Zufall, dass die FSBschniki direkt neben uns wohnen? Unser Kumpel Vadim schlägt vor, wir sollten doch mal unsere Regale und Schränke nach Wanzen absuchen. Dem folgt ein dröhnenes Lachen – vor dem FSB scheinen sie keine große Angst zu haben.

Die Gerüchte erhärten sich, als wir aus komplett anderen Quellen dieselben Informationen erhalten und unser Nachbar auf einmal am Samstagmorgen so laut Rammstein hört, dass wir praktisch mitsingen könnten, da wir jedes Wort verstehen. Das ist bestimmt ein Ablenkungsmanöver!

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Elena Reck studiert seit Herbst 2013 IRS in Potsdam. Das Wintersemester 2016/2017 verbringt sie an der Staatlichen Baikal-Universität in Irkutsk. Mit Geheimdienstlern hat sie noch nie zusammen gewohnt – zumindest nicht, dass sie wüsste.

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