Ägyptischer Spaziergang

Zum „Pharao“ und zu „Kleopatra“ sollte es bei der letzten Studentenwanderung des Jahres geben – auf einem „Ägyptischen Spaziergang“. Außer den Namen der beiden Felsen erinnerte allerdings nichts an Ägypten: Der Sibirische Herbst erfreute uns mit Schnee und Minusgraden.

Aber das trübt das Gemüt eines echten Wanderers nicht. Mit knapp 30 Studierenden der Baikal-Universität fuhren wir mit der Elektritschka zwei Stunden lang Richtung Wildnis – und sangen ein paar Lieder mit Gitarrenbegleitung auf dem Weg, wie das so Tradition ist in Russland.

Unsere Wanderung startete in einem kleinen, verschneiten Dörfchen. Es gab noch ein paar Sicherheitshinweise und schon ging es los: Ab durch das Dorf und rein in die sibirische Wildnis – wobei uns von unseren russischen Mitwanderern versichert wurde, dass die richtige, von Bären bewohnte Wildnis erst vieeeel weiter weg anfangen würde.

Voller Vertrauen stapften und schlitterten wir hinter unseren Gruppenleitern her – wir waren überzeugt, dass sie wüssten, wo es langging. Als sie uns jedoch durch zunehmend unwegsames Gelände führten immer wieder stehen blieben, um sich zu beratschlagen, wurde klar: Auch sie gehen den Weg zum ersten Mal und keiner weiß so ganz genau, wo es langgeht.

Einige von uns traten in schneebedeckte Wasserlöcher, holten sich nasse Füße, fielen immer wieder auf die Nase oder kamen schlichtweg nicht hinterher, da es bergauf ging und der Schnee das Vorwärtskommen zusätzlich erschwerte. Umso glücklicher waren wir alle, als das Ziel nach zwei Stunden endlich erreicht war: der Pharao und die Kleopatra, schneebedeckt mitten im Wald.

An einer kleinen Feuerstelle machten wir ein kleines Lagerfeuer, um Hände und Füße aufzuwärmen. Dafür opferten wir alles Brennbare, was wir in unseren Taschen finden konnten – Elena waren sogar einige Seiten ihres Französischhefts nicht zu schade. Allerdings nur die unbeschriebenen.

Zwei Stunden lang hielten wir es aus in der Kälte am Lagerfeuer, bei gegrillten Würstchen und mitgebrachtem Picknick. Wer nasse Socken und Schuhe hatte, versuchte sie am Feuer zu trocknen – mit dem Ergebnis, dass eine Schuhsohle schmolz.

Es wurden Urkunden und Preise für die treusten Mitglieder der Wandergruppe verteilt und als auch das Lagerfeuer nicht mehr darüber wegtäuschen konnte, dass es richtig richtig kalt ist, machten wir uns auf den Rückweg. Er war deutlich unbeschwerter und leichter als der Hinweg, da es bergab ging und wir einen breiten Weg entlangliefen, statt durch wildes Gelände zu stolpern.

Zwar mussten auch jetzt bei der einen oder anderen Abzweigung das Handy oder entgegenkommende Wanderer weiterhelfen, aber schließlich kamen wir wohlbehalten zum Bahnhof – gerade noch rechtzeitig, um die Elektritschka zurück nach Irkutsk zu erwischen.

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Annemarie Pappe studiert seit Herbst 2013 IRS in Potsdam. Das Wintersemester 2016/2017 verbringt sie mit sieben anderen PotsdamerInnen an der Staatlichen Baikal-Universität in Irkutsk. Eigentlich hat sie es lieber warm, aber trotzdem freut sie sich über den vielen Schnee in Sibirien.

 

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