Paula und der Käse

Paula mag Käse. In Russland vor allem den „Russischen Käse“ und den „Saure-Sahne-Käse“. Zumindest beschränkte sich ihr Käsekonsum während ihres letzten Russlandaufenthalts fast ausschließlich auf diese beiden Sorten.

Aber jetzt ist alles anders. Denn: Es gibt Sanktionen. Und obwohl hier immer behauptet wird, dass Russland sich selbst ernähren könne, merkt Paula: Dem ist nicht so. Oder, besser gesagt: Ernähren können sie sich schon selbst, die Russen, auch ohne Importe. Aber schmecken tut das dann leider nicht mehr. Bis zum 50 Prozent des Käses besteht aus Palmöl, heißt es in einer ARD-Reportage über russische Bauern. Und das merkt Paula hier, leider.

Am Anfang war sie noch euphorisch: Juhu, endlich mal wieder Russischen Käse essen. Zuhause dann die Ernüchterung. Schmeckt nach Stinkefüßen. Und zwar wirklich. Nicht nur so, wie man das immer dahin sagt. Nächster Versuch, Saure-Sahne-Käse, der ist noch schlimmer. Beim nächsten Supermarktbesuch wird dann kein Käse mehr gekauft. Damit bin ich durch, hier in Russland, sagt Paula.

Irgendwann kommt sie aber doch wieder an mit einem Stück Käse, einem riesigen Stück Käse. Einem Stück Käse, das aussieht, wie Wurst. Zumindest, wie er verpackt ist: in einer braunen Plastikfolie, schräg angeschnitten. Ist zumindest nicht eklig, aber leider auch kein Käse. Löst sich nicht auf, als Paula Käsesoße machen will. Hat eine Konsistenz wie Tofu, schmeckt ein bisschen nach Nichts. Was wirklich drin ist? Paula weiß es nicht.

Ihre Kommilitonen verraten ihr: Es gibt auch leckeren Käse, trotz der Sanktionen. Maasdamer, Edamer, im Supermarkt und auf dem Markt. Sogar Parmesan und Mozzarella gibt es, importiert aus Argentinien. Aber der ist teuer. Weiterer Geheimtipp: Käse aus Weißrussland. Da wird europäischer Käse mit Importverbot nämlich umetikettiert. Aber Paula will keinen illegalen Käse und auch keinen mit übergroßem ökologischen Fußabdruck. Sie will Russischen Käse und Saure-Sahne-Käse.

Bis der wieder lecker wird, muss sie wohl leider warten, bis die Sanktionen aufgehoben werden. Und das kann noch ein wenig dauern.

Bis dahin isst sie geräuchterten Zopfkäse, wie ihn sonst nur russische Alkoholiker zu essen pflegen. Der ist gleichbleibend in der Qualität. Und lecker, nicht nur zu Bier und Wodka.

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