Einmal Augenbrauen po-russki, bitte.

Ich hatte einen Plan: meine Augenbrauen färben. Um sicherzugehen, dass man mein Anliegen auch verstand und meinen Wünschen entsprechend umsetzte, bat ich die Modeexpertin der Gruppe, mich zu begleiten.

Frei nach dem Motto „Saturday is Beautyday“ gab es einen gemeinschaftlichen Ausflug zum nächstbesten Beautysalon in Irkutsk. Im Untergeschoss eines Einkaufszentrums fanden wir einen wenigversprechend aussehenden Salon. Meine Begleitung erklärte: Anne will sich die Wimpern färben lassen, geht das hier? Ging nicht, und aufgepasst: Ich wollte Augenbrauen färben, nicht die Wimpern. Gut, dass ich eine Übersetzerin mitgebracht hatte.

Man empfahl uns einen anderen Salon im gleichen Gebäude. Dort angekommen, hatte ich direkt ein besseres Gefühl: Dieser Salon sah wenigstens nach einem Schönheitssalon aus. Nun ging es also darum, meinen Wunsch klar und deutlich zu formulieren: Die Augenbrauen sollten nur ein wenig dunkler in einem ganz natürlichen Ton gefärbt werden, wie ich das aus Deutschland gewohnt war.

Nach einigem Hin und Her hatten Make-Up Artistin, Übersetzerin und ich uns auf einen Look für meine Augenbrauen geeinigt. Zumindest dachten wir, eine gemeinsame Vorstellung gefunden zu haben.

Los ging es nun in ungewohnter Reihenfolge: Erst sollten die Augenbrauen in Form gebracht werden, um sie anschließend zu färben. Anstatt die Augenbrauen bloß zuzupfen, wurde mir Wachs aufgetragen. In zunehmendem Maße wuchs meine innere Unruhe, wobei meine lieben Begleiterinnen mir stets versicherten: „Alles okay, Augenbrauen sind noch da!“ Es kam trotzdem zu einem Schweißausbruch meinerseits.

Nach dem Wachsen ging es endlich ans Färben. Immer weiter entfernten wir uns von meiner anfänglichen Prognose, die gesamte Aktion würde nur fünf Minuten dauern. In akribischer Feinarbeit schien die Make-Up Artistin jedes meiner Augenbrauenhärchen einzeln einzufärben. Mal arbeitete sie mit einem Pinsel, mal mit etwas, das sich anfühlte, wie ein Stift. Über all dem schwebte die Frage: Was genau macht sie da eigentlich?

Ich versuchte, mich in Geduld zu üben. Als die Reaktion auf meinen Witz, das nächste Mal mache ich das einfach selbst mit einem Edding, nicht nur mit Lachen beantwortet wurde, begann ich langsam, nervös zu werden.

Nach einer langen Viertelstunde war es soweit: Die Farbe wurde abgewaschen. Die erste Reaktion der anderen war: „Die Form ist sehr schön“, was mich nicht gerade beruhigte, da ich nach der langen Zeit Sorge hatte, das Ganze könne nun etwas zu dunkel geraten sein. Ein Blick in den Spiegel bestätigte mein Gefühl: Die Augenbrauen waren viel zu dunkel. Noch mehr erschreckte mich aber, dass die Haut unter den Augenbrauen offenbar gezielt mitgefärbt worden war. Ich: Aaaaaaaah, geht das weg? Daraufhin die Make-Up Artistin: Das soll so.

Nein, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Die Make-Up Artistin und ich konnten uns dann darauf verständigen, dass sie mir die Farbe wieder von der Haut abrubbelt. Und nach zwei Tagen und kräftigem Waschen Zuhause war dann auch alles so, wie‘s sein sollte.

___

Anne studiert nicht IRS, sondern Politik und Russistik an der Uni Potsdam und macht ein Auslandssemester in Irkutsk. Wenn sie nicht gerade Augenbrauen färbt, lernt sie fleißig Vokalbeln: Inzwischen hat sie schon das dritte Vokabelheft angefangen.

Advertisements

2 Gedanken zu “Einmal Augenbrauen po-russki, bitte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s