Where are we now?

– Wo genau gehst du jetzt nochmal hin?
– Nach Irkutsk, Mama.
– Jakutsk?
– Nein, nicht nach JAkutsk, das ist eine andere Stadt im Fernen Osten, also noch weiter weg. Ich geh‘ nach IRkutsk, das ist da beim Baikalsee und so.
– ?!
– Das ist da in Sibirien, in der Nähe von der Mongolei, ungefähr in der Mitte von dem Teil Russlands, der hinter dem Ural kommt. Aber ganz im Süden.
– Ah, okay. Nach Russland halt, oder?
– Nach Russland halt.

Und wo sind wir hier jetzt eigentlich?
52° 17′ N, 104° 18′ O, um ganz genau zu sein.
In Irkutsk. In Sibirien. Hinterm Ural. Weit hinterm Ural. 4 200 Kilometer Luftlinie von Moskau, 5 800 Kilometer Luftlinie von Potsdam. 60 Kilometer trennen uns vom Baikalsee, bis zur Mongolei sind’s 180 Kilometer. Im Moment sind wir sechs Stunden vor der deutschen Zeit, im Winter werden’s dann sieben Stunden sein. Wenn ihr in Deutschland grade von der Arbeit kommt, gehen wir also so langsam schon ins Bett…
In Irkutsk leben gut 600000 Menschen. Die Transsibirische Eisenbahn fährt hier lang. (Nein, ich bin noch nie Transsib gefahren. Und nein, es ist keiner meiner großen Träume.) So -20°C hat’s hier im Winter. Das ist nicht sooo kalt. Es geht noch viel viel kälter. (In Jaktusk, zum Beispiel, wird’s so -45°C kalt.) Und im Sommer sind’s dafür schon auch mal 30°C im Schatten. Im Moment zum Beispiel noch. Gefühlt zumindest.
Irkutsk war seit Ende des 18. Jahrhunderts ein wichtiges Handelszentrum für Importe aus China: Tee, Holz, Diamanten, Gold, Seide, Pelze. Pelze gibt’s zwar auch hier genug, aber importierte sehen schöner aus, oder so. Außerdem wurden viele politisch Verbannte hierher geschickt – die Petersburger Intelligenzija also. Deshalb florieren In Irkutsk Wissenschaft und Kultur bis heute prächtig.
Und, did ya know? Irkutsks Partnerstadt in Deutschland ist Pforzheim.

Und was machen wir hier?
Studieren. An der Staatlichen Baikaluniversität. Bisschen Seminare besuchen, bisschen Hausarbeiten schreiben, bisschen für Klausuren lernen. Russisch, Politik, vielleicht Wirtschaft. Vor allem aber Russisch.
Außerdem freuen wir uns, dass wir in Sibirien sind, jeden Tag neu. Und wir werden vielleicht mal zum Baikalsee fahren. Oder zweimal. Oder dreimal. Mal sehn. Und das russische Wohnheimleben genießen. Und den russischen Winter. Und dass russische Essen. Und Trinken. Und überhaupt alles.

Und warum, WARUM, in Sibirien?
Weil wir’s können. Und ich mein, come on, Sibirien? Wer wollte da nicht schon immer mal hin?

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